• Rezension

    Welcome to Night Vale – A Novel

    Eine Hörbuch-Rezension



    Eckdaten:

    • Titel: Welcome to Night Vale – A Novel 
    • Autoren: Joseph Fink & Jeffrey Cranor
    • Serie: Teil 1 von (bislang) 3 der Welcome to Night Vale-Reihe
    • Einordnung im Podcast: zwischen Episode 75 und 76
    • Verlag: HarperAudio
    • Sprache: englisch 
    • Genre: SciFi, Comedy
    • Hörstunden: 12 h 2 min
    • Erschienen: 20.10.2015

    Hinweis:

    Um dieses Buch zu lesen, muss man den Podcast nicht unbedingt kennen. Als Fan empfehle ich euch trotzdem vorher in den Podcast reinzuhören. Dort lernt ihr bereits die Charaktere und die merkwürdige Stadt kennen und könnt einschätzen, ob dieses Buch und seine Erzählweise euch gefallen könnten.


    Inhalt:

    „A friendly desert community where the sun is hot, the moon is beautiful, and mysterious lights pass overhead while we all pretend to sleep. Welcome to Night Vale.“

    Cecil Palmer, Welcome to Night Vale Episode 1 „Pilot“

    In Night Vale gehören „Engel“, Verschwörungstheorien, fünfköpfige Drachen und die Radioshow von Cecil Palmer zum alltäglichen Leben. Zeit verhält sich merkwürdig in dieser Stadt. 

    Jackie Fierro zum Beispiel ist 19 – und das schön seit Jahren. Oder Jahrzehnten? Sie schafft es einfach nicht ihre Teenager-Jahre hinter sich zu lassen. Eines Tages steht ein Mann in ihrer Pfandleihe und will ein Stück Papier mit einer seltsamen Aufschrift versetzen. Sobald sie ihren Blick von diesem Mann nimmt, kann sie sich aber nicht mehr an sein Aussehen oder seinen Namen erinnern. Und das Stück Papier bleibt seitdem immer in ihrer Hand – ob sie es nun weglegt, zerrreißt oder isst. 

    Diane Crayton ist eine ganz normale Mum, mit einem außergewöhnlichen Sohn. Auch sie trifft auf einen Mann, an den sich – außer ihr – niemand erinnern kann. Wer ist er?


    Meinung:

    Ich habe das Hörbuch über mehrere Wochen vor dem Einschlafen gehört, wie ich es auch mit dem Podcast gerne mache. 

    Weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass das Buch ohne Cecils Stimme und Betonung auch nur halb so gut sein konnte, habe ich mich für das Hörbuch entschieden. Und die Entscheidung war richtig! Ohne dieses vertraute Night Vale-Feeling, hätte ich das Buch vielleicht sogar abgebrochen.

    Jackie und Diane sind keine typischen Heldinnen. Als Bewohnerinnen von Night Vale sind sie und ihre Lebensumstände ziemlich außergewöhnlich. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich an sie gewöhnt hatte und richtig ans Herz gewachsen sind sie mir bis zum Ende leider nicht. Ihre Persönlichkeiten und ihre Handlungen waren nicht wirklich nachvollziehbar oder schlichtweg unsympathisch.

    Night Vale ist ein Ort den ich sehr mag! Ich liebe den Podcast, in dem Cecil seine Radioshow moderiert. Verglichen damit haben mir bei diesem Hörbuch die Hintergrundgeräusche und die verschiedenen Stimmen gefehlt. Vielleicht hatte ich deshalb das Gefühl, dass das Buch einige Längen hatte.

    Gefallen hat mir, dass in dieser Geschichte Orte erkundet hat und Menschen getroffen wurden, die ich schon aus dem Podcast kennen und lieben gelernt hatte. Zum Beispiel die Library, Old Woman Josie und ihre Erikas, Carlos und John Peters (you know, the farmer?). Außerdem wurde endlich die Story einer geheimnisvollen Person aufgelöst: The Man in the Tan Jacket holding a Deerskin Suitcase. 


    Fazit: 

    2,5/5 = Vom Gefühl her schwanke ich zwischen „Hätte ich mir sparen können“ und „Gutes Buch, aber einmal lesen reicht“.

    Ich bin froh, mir das Buch angehört zu haben, weil es zum Kanon des Night Vale-Podcasts gehört. Die Story war interessant, hatte aber ihre Längen. Altbekannte Charaktere sind aufgetreten, sodass ich mich in der Geschichte zwar zu Hause gefühlt habe, aber leider waren mir die beiden Hauptfiguren nicht sympatisch genug und das Buch mit 12 Stunden zu lang. Ich mag das Podcast-Format mit seinen 20-25 Minuten pro Folge lieber. Aus diesen Gründen würde ich dieses Buch nicht noch ein zweites Mal hören wollen, auch wenn ich irgendwann nochmal Lust habe alle WtnV-Folgen durchzuhören. Wer sich diese Geschichte kaufen möchte, dem empfehle ich mit Nachdruck die Hörbuch-Version!


  • Rezension

    Neon Birds

    Eine E-Book-Rezension



    Eckdaten

    • Titel: Neon Birds
    • Autorin: Marie Graßhoff
    • Verlag: Bastei Lübbe
    • Sprache: deutsch
    • Genre: SciFi, Solarpunk
    • Serie: Teil 1 (von 3) der Neon Birds-Reihe
    • Format: Kindle
    • Seitenzahl: 464

    Inhalt

    Wir befinden uns im Jahr 2101. Die künstliche Intelligenz KAMI breitet sich mithilfe kleinster Nanocomputer wie eine Seuche aus. Befallene Menschen – Moja genannt – werden fortan von KAMI gesteuert und entwickeln übermenschliche Kräfte, während sie gleichzeitig alle Emotionen einbüßen. Um die Infektion einzudämmen, wurden Sperrzonen errichtet, die nun fast die Hälfte der Welt bedecken. 

    Auf der anderen Seite ist die Erde so grün und strahlend wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Die Menschen lieben und verehren die Natur, habe eine positive Lebenseinstellung und feiern das Militär und die Soldaten, die sie vor den Moja schützen, wie Popstars.

    Als der Krieg gegen KAMI sich zuzuspitzen scheint, sind vier junge Erwachsene mittendrin: Ein Politikstudent, ein Geheimagent, ein Supersoldat und eine Jägerin aus der Wüste. Sie müssen sich entscheiden, ob sie weiter an die vom Weltrat propagierte Sicherheit glauben wollen, oder ob sie bereit sind alles zu riskieren, für eine Chance, ihre Welt und ihre Menschlichkeit zu retten.


    Meinung

    Ich habe lange auf das Erscheinen dieses Buchs gewartet! 

    Schon vor dem Release hat Marie Graßhoff ihre Leser mit auf die Reise genommen: In ihren täglichen Instagram-Storytimes versorgte sie ihre Zuschauer mit regelmäßigen Updates zum Schreibprozess und dem Stand der Veröffentlichung. Sie hat außerdem wundervolle Illustrationen zu den Hauptcharakteren in Auftrag gegeben und im Vorhinein veröffentlich. Diese stammen von der talentierten Mona Finden (https://www.monafinden.com). Mona hat einen sehr schönen Stil und bin froh über dieses Buch auch auf ihre Bilder aufmerksam geworden zu sein.

    Ich hatte mir Neon Birds also vorbestellt und es wurde pünktlich am 27.11. an meinen Kindle geschickt. Ich bin unglaublich gut ins Buch reingekommen. Mittendrin machte sich bei mir allerdings eine schlimme Leseunlust breit. Das war total schade, aber ich legte das Buch bewusst zur Seite. Zu dem Zeitpunkt hätte ich einfach nicht den Lesespaß haben können, den diese Geschichte verdient hat. Nach ein paar Wochen nahm ich das Buch wieder zur Hand und was soll ich sagen? Die Geschichte hat mich umso mehr gefesselt und ich habe es in einem Rutsch zu Ende gelesen.

    Nach einem actionreichen Einstieg befand ich mich bereits mitten im Geschehen. Das hat mir enorm gut gefallen. Die Charaktere kannte ich ja bereits von den Illustrationen, die auch im Buch abgedruckt sind, sodass eine detaillierte Beschreibung des Aussehens gar nicht mehr nötig war. Und die Welt habe ich im Laufe der Geschichte nach und nach kennengelernt. Besonders die offiziellen Militärdokumente (Protokolle des Weltrats, die Auszüge aus den Personalakten etc.), die zwischen den Kapiteln eingestreut waren, ließen die ganze Geschichte so echt wirken. Ich bin ein großer Fan dieses Stilmittels! Das Tüpfelchen auf dem i wäre noch eine Weltkarte gewesen, in der die Sperrzonen verzeichnet sind.

    Neon Birds ist das erste Buch aus Maries Feder, das ich gelesen habe. Ihr Schreibstil hat mir sehr gefallen. Es war eine ausgewogene Mischung aus langen, verschachtelten und kurzen, prägnanten Sätzen – insgesamt sehr angenehm zu lesen. Ich habe jetzt schon viele sagen hören, man fliege regelrecht über die Seiten und finde diesen Vergleich sehr passend.

    Die Kapitel wurden abwechselnd aus der Sicht der Protagonisten geschrieben, sodass man die Welt aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln kennenlernen konnte. Die Beschreibung der grünen, gleichzeitig hochtechnisierten Welt hat mich total fasziniert. In unserer schnelllebigen, konsumorientierten Zeit fällt es schwer zu glauben, dass unsere Zukunft so grün und naturverbunden sein kann. Die Autorin hat sich hier wirklich weitgehende Gedanken darüber gemacht, wie die Symbiose zwischen Mensch und Natur aussehen kann. Tote werden z. B. nicht länger begraben oder verbrannt, da dies die Umwelt zu stark belastet. Stattdessen werden sie durch ein spezielles Verfahren zu Dünger, der wiederum den Pflanzen zu Gute kommt. Diese Vorstellung finde ich wirklich schön. Neben dem Leben in der Stadt wird auch ein Blick auf das Leben der technologisch weniger entwickelten Wüstenbewohner geworfen.

    Im Gegensatz zu dieser strahlenden, grünen Welt stehen die Sperrzonen – dunkel und kalt. Die Atmosphäre war so toll beschrieben! In meinem Kopf haben sich richtig gruselige Bilder abgespielt. 

    Die Protagonisten waren alle sehr sympathisch. Ich konnte mich mit allen gut identifizieren und mag auch ihre Namen sehr gern. Jeder der vier hat sein Geheimnis oder sein Päckchen aus der Vergangeheit zu tragen. Szenen ihrer innerer Zerrissenheit bekamen umso mehr Gewicht, wenn man sich vor Augen hielt, dass die Welt um sie herum so schön und so zerbrechlich ist…

    Und auch die Nebencharaktere waren interessant gestaltet und haben einige Geheimnisse zu bieten. Was mir zuerst allerdings sehr unrealistisch vorkam, war die offensichtliche Jugend der meisten Soldaten. Im Laufe der Story wird jedoch eine Erklärung dafür geliefert.

    Was bei einer guten SciFi-Geschichte über Cyborgs und künstliche Intelligenzen natürlich nicht fehlen darf sind die ethischen Fragen zu dem Thema:

    • Was macht einen Menschen aus?
    • Kann ein Mensch einem anderen gehören, wenn der Großteil seines Körpers aus Verbesserungen besteht, die dieser andere in Auftrag gegeben und bezahlt hat?
    • Ist KAMI als menschengeschaffene künstliche Intelligenz sowas wie die nächste Stufe der menschlichen Entwicklung?

    Für die nächsten Bände wünsche ich mir natürlich, dass näher auf diese Fragen eingegangen wird. Außerdem würde ich gern mehr über die drei Hauptfiguren des Weltrats erfahren. Insbesondere die Machtergreifung durch Alaska kann ich mir noch nicht wirklich vorstellen. Nur durch seine Erfindung der Cyber Trips-Technologie soll er alle anderen Regierungen der Welt gestürzt haben? Wie? Da der nächste Band „Cyber Trips“ heißt, bin ich zuversichtlich ein paar Antworten zu bekommen.

    Und natürlich brenne ich darauf mehr über KAMI und die Moja zu erfahren!


    Fazit

    Meine Wertung:

    Lieblingsbuch! Könnte ich immer und immer wieder lesen.

    Neon Birds zählt bereits jetzt zu meinen Lieblingen. Ich habe das Gefühl die Charaktere schon unglaublich lange zu kennen, was sicher an Maries guter Vorbereitung, den Illustrationen und Storietimes liegt.

    Im Laufe der Geschichte wurde durchweg Spannung aufgebaut. Es sind so viele krasse Dinge passiert, von denen ich einige zwar schon geahnt hatte, andere haben mich aber total überrumpelt. Dieser Cliffhanger! Zum Glück erscheinen alle drei Teile der Reihe innerhalb eines Jahres.

    Der Schreibstil ist flüssig und die Beschreibungen sind sehr atmosphärisch. In meinem Kopf liefen die tollsten Bilder ab.

    Natürlich stieß ich beim Lesen noch auf die ein oder andere (vermeintliche) Lücke oder Stelle, die mir unrealistisch vorkam. Die meisten Unlogiken wurden im Rahmen der Handlung jedoch aufgeklärt. Meine verbleibenden Fragen werden dann hoffentlich in den folgenden Bänden beantwortet.


    Das war also meine erste Rezension hier auf TheBookishPlant. Über Feedback würde ich mich ungemein freuen! 

    Habt ihr das Buch ebenfalls gelesen?

    Ich gehe dann mal ganz im Sinne von Neon Birds meine Pflanzen gießen.